Pottheads gegen Deutschland

Vom 30.Januar bis 1. Februar soll in Bremen der Bundesparteitag der Alternative für Deutschland stattfinden. Es werden einige tausend TeilnehmerInnen erwartet und allerlei Partei-Prominenz wird vertreten sein. Der Parteivorsitzende Lucke dürfte sich noch sehr gut an seinen letzten Besuch im Sommer 2013 erinnern. Damals reichte eine steife Antifa-Brise, die Bernd Lucke kurzzeitig von der Bühne fegte. Es folgte ein großangelegtes Medien-Mimimi, von versuchten Mord war die Rede. Auch folgende Veranstaltungen konnten nicht ohne Zwischenfälle durchgeführt werden. Im Mai ist Bürgerschaftswahl in Bremen und ein erfolgreicher Bundesparteitag kann für die Partei eine gute Signalwirkung haben.

Gegen diesen Parteitag zu demonstrieren, rufen verschiedene Bündnisse auf. So auch das linke Bündnis gegen Nationalismus. Unter dem Motto „Gönn dir…Alternativen zu Deutschland“ (war übringens der Anwärter auf das Jugendwort 2014. Die Linke auf der Suche nach dem Anschluss zur Jugendkultur…) rufen sie dazu auf, am Samstag, 31.1 um 13 Uhr den Protest auf die Straße zu bringen. Die Alternativen zu Rassismus, Rechtspopulismus und Deutschtümelei heißen grenzenlos-solidarisch-vielgeschlechtlich.

Eine gute und wichtige Sache. Das Bündnis wünscht sich zwar „einen friedlichen und kreativen Protest“, doch der Wetterdienst sagt stürmische Böen für RassistInnen an diesem Wochenende voraus.

Eine Position für den Umgang mit Cannabis oder gar mit anderen Drogen, konnte bei der AFD nicht gefunden werden. Die Anfragen des Hanfverbandes blieben unbeantwortet. Und auch wenn sie einen liberaleren Umgang versprechen würden, ein entspanntes Verhältnis zu dieser Partei ist nicht möglich. So viel kann man gar nicht rauchen.

In offener Feindschaft,
AFA//WSC

Fragend schreiten wir voran.

Wir sprachen mit Wilko Zicht, Mitglied der Grünen im Kreisverbandes Bremen-Ost. Er publizierte in Folge einer Anfrage der Partei Die.Linke an den Bremer Senat auf der Webpräsenz der Bremer Grünen. So ist er der Meinung, dass die Grünen “gut daran täten, in Sachen Legalisierung von Drogen mutiger voranzuschreiten.“
Wilko Zicht ist u.a. einer der Initiator_innen des Bündnisses Aktiver Fußballfans (BAFF), Wahlrechtsexperte und Mit-Betreiber der Internetseite wahlrecht.de und sitzt für die Grünen in Bremen in der Städtischen Deputation für Bildung.

AFA//WSC: Die Debatte für eine Reformierung des BtmG und eine Legalisierung von Cannabis nimmt (mal wieder?) an Fahrt auf. Mittlerweile scheint es als wären die Befürworter_innen in der Mehrzahl. Wie siehst du die momentane Diskussion? Können wir wirkliche Ergebnisse erwarten?


Wilko Zicht (WZ):
Wer die Berichterstattung zum Thema Drogenpolitik in den deutschen Medien verfolgt, kann tatsächlich den Eindruck bekommen, es käme endlich wieder etwas Bewegung in die Sache. Und es ist bemerkenswert, wenn sogar Organisationen wie der Bund Deutscher Kriminalbeamter plötzlich fordern, die bisherige Drogenpolitik auf den Prüfstand zu stellen. Andererseits gibt es da zum Beispiel eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Deutschen Hanfverbands von Ende Oktober 2014. Und die sagt, dass immer noch knapp 60 % aller Deutschen die Strafverfolgung des Besitzes geringer Mengen unterstützen. Und sogar 70 % lehnen den regulierten Verkauf von Cannabis über Fachgeschäfte ab. Ich bin aber sicher, dass sich das drehen würde, sobald das Thema wirklich einmal auf der politischen Agenda der Bundesregierung stünde und entsprechend breit öffentlich diskutiert würde. Bei den Parteien ist der Frontverlauf aber leider immer noch unverändert, da sehe ich bisher keine Bewegung.

Welche Rolle nehmen in dieser Debatte die Grünen ein und was unterscheidet sie von anderen Befürworter_innen, z.B der Linken? Oder fordern alle Beteiligten das Selbe?

WZ: Zwischen Grünen und Linken kann ich in der Drogenpolitik bisher keinen wirklichen Unterschied erkennen, weder in der Programmatik noch bei der Umsetzung. Als Oppositionsfraktionen stellen Grüne und Linke überall nahezu identische drogenpolitische Anträge. Und wo sie in Regierungsverantwortung sind, lehnen jeweils beide genau diese Anträge aus Koalitionsräson dann ab. Schuld daran ist natürlich in erster Linie der jeweilige Koalitionspartner, also meist die SPD. Aber es hat auch damit zu tun, dass weder Grüne noch Linke dem Thema bisher eine wirklich hohe Priorität einräumen. Sonst hätten sie der SPD sicherlich hier und da mehr Zugeständnisse abringen können. Ein echter Durchbruch in der Drogenpolitik wäre freilich nur auf Bundesebene möglich – und hier muss sich vor allem meine eigene Partei den Vorwurf gefallen lassen, in Koalitionsverhandlungen zweimal versagt zu haben, nämlich 1998 und 2002.

Vereint die Gegner_innen einer Entkriminalisierung eine gleiche Argumentation oder haben wir es mit verschiedenen Akteur_innen mit unterschiedlichen Motivationen zu tun?

WZ: Zwar gibt es auch hier Profiteure des Status Quo. Aber die agieren nicht in der öffentlichen Debatte, weil sie in den Augen des Staates Kriminelle sind und sich dementsprechend im Untergrund halten. Und diejenigen, die öffentlich eine repressive Drogenpolitik verteidigen, tun das nicht deshalb, weil sie die Interessen jener oder einer anderen Klientel durchsetzen wollen. Die glauben wirklich, dass es zur Fürsorgepflicht des Staates gehört, seine Bürger_innen vom Drogenkonsum abzuhalten. Und sie halten das Strafrecht dabei wirklich für ein einigermaßen geeignetes Mittel. Wenn man mal die schlimmen Nebenwirkungen dieser Politik ausblendet und allein die Motivation betrachtet, wäre der schwerwiegendste Vorwurf, den sie sich gefallen lassen müssen, wohl lediglich Spießertum. Auch wer politisch das Gegenteil von dem vertritt, was man selbst für richtig hält, führt halt nicht immer gleich Böses im Schilde. Das nehme ich übrigens auch für mich in Anspruch, wenn ich einmal ausnahmsweise anderer Meinung bin als meine Freund_innen von der Antifa…

Welche Elemente würde eine Legalisierung umfassen und was genau sollte rechtlich neu festgelegt werden? Wie könnte man sich die Umsetzung in der Praxis vorstellen?

WZ: Klar ist, dass der Besitz, Erwerb und Anbau zum Eigenverbrauch komplett entkriminalisiert gehören. Dazu zähle ich auch die Abschaffung der unsäglichen Praxis, bei angeblich regelmäßigem Konsum den Führerschein einzuziehen, selbst wenn nie eine berauschte Autofahrt stattgefunden hat. Und natürlich muss es legale Verkaufsstellen geben, in denen man auch in der Öffentlichkeit konsumieren kann, ähnlich wie die Coffeeshops in Holland. Anders als dort gehört aber auch der dahinter stehende Großhandel legalisiert und reguliert. Ob es sinnvoll wäre, ihn gleich komplett zu verstaatlichen, wie es in Uruguay geplant ist, glaube ich eher nicht. Wichtig finde ich aber generell mehr Aufklärung, und damit meine ich nicht den erhobenen Zeigefinger, sondern Information und Transparenz, die auf eine wirklich drogenmündige Gesellschaft hinwirken. Jugendschutz ist bei all dem sehr wichtig, aber auch hier ist glaubwürdige und zielgruppengerechte Aufklärung das A und O.

Geht es die Bundesrepublik überhaupt etwas an was ich in meiner Freizeit so mache?

WZ: Wenn du anderen Menschen gegen deren Willen Schaden zufügst, dann schon. Aber ein Staat, der meint, seine erwachsenen Bürger_innen wie dumme Kinder behandeln zu können, und ihnen Sachen verbietet, über deren Konsequenzen sie sich im Klaren sind und auf die sie trotzdem – oder gerade deswegen – Bock haben, so ein Staat kann mir gestohlen bleiben.

Der Anbau und Vertrieb von Cannabis für die Normal-Konsument_innen folgt momentan seinen eigenen Regeln. Der Markt sei, da sind sich Gegner_innen und Befürworter_innen häufig einig, bandenmäßig und kriminell organisiert. Durch eine Legalisierung soll gerade ihnen das Handwerk gelegt werden und nachvollziehbare, staatliche Strukturen geschaffen werden. Aber drängt man nicht gerade so auch Menschen aus der „Branche“, die in diesem Bereich ihren einzigen Weg sehen in der kapitalistischen Leistungsgesellschaft zu überleben, z.B. Menschen ohne gültige Papiere oder andere marginalisierte Menschen?

WZ: Eine Legalisierung von Cannabis entbindet den Staat selbstverständlich nicht von der Pflicht, endlich auch eine andere Migrations-, Sozial- und Wirtschaftspolitik zu machen. Aber ich fände es absurd, die Defizite in diesen Bereichen mit einer ansonsten völlig verfehlten Drogenpolitik kompensieren zu wollen. Die eigentlichen Profiteure der Drogenprohibition sind eh nicht die kleinen Dealer_innen, sondern wesentlich unappetitlichere Strukturen, sei es internationale Drogenmafia oder hierzulande nicht zuletzt die Nazi-Szene. Außerdem bringt die Repression gegen Drogen ja einige Nebeneffekte mit sich, die man aus antifaschistischer Sicht nur scheiße finden kann. Die Bremer Polizei hat zum Beispiel weite Teile von Viertel und Bahnhofsvorstadt zu sogenannten Besonderen Kontrollorten gemacht, an denen sie zur Verhütung von Betäubungsmittelhandel jede Person kontrollieren darf, auch wenn man dazu überhaupt keinen Anlass geboten hat. Dass dies mehr oder weniger zwangsläufig zu Racial Profiling führt, ist doch klar. Darum gehören diese Besonderen Kontrollorte abgeschafft, jedenfalls soweit sie mit angeblichem Drogenhandel begründet werden.

Werden nicht auch erhebliche Kosten auf die Endverbraucher_innen zu kommen wenn auf einmal Löhne plus Steuerabgaben gezahlt werden müssen? Wer kann sich das dann noch leisten? Wird Cannabis dadurch zu einem Luxusgut wie beispielsweise ein guter Bio-Rotwein?

WZ:
Zumindest wer einen sonnigen Balkon oder Garten hat, kann Hanf ja auch sehr günstig zu Hause anbauen. Davon abgesehen muss man bei der Regulierung und Besteuerung aber in der Tat darauf achten, dass das legal verkaufte Cannabis nicht teurer ist als das vom heutigen Schwarzmarkt. Anderenfalls würde das Ganze auch gar nicht funktionieren.

Inwieweit würde sich die Legalisierung von Cannabis auch auf andere Drogen ausweiten? Ist eine umfassende Legalisierung Teil der Debatte? Insbesondere bei „harten“ Drogen wäre ein Umdenken dringend notwendig da gerade dort die Todeszahlen aufgrund u.a. von schlechter Qualität weiterhin bedenklich hoch sind.

WZ: Ja, ich sehe überhaupt keinen sachlichen Grund, warum sich die Legalisierung auf Cannabis beschränken sollte. Bei Substanzen wie Psilocybin, LSD oder MDMA, deren Gefährdungspotential wohl unter dem von Cannabis einzustufen ist, aber auch zum Beispiel bei Amphetamin bin ich sicher, dass eine Kombination aus Legalisierung, Regulierung und Aufklärung genauso funktionieren kann wie bei Cannabis. Ob dieser Weg auch bei härteren Sachen wie Kokain oder Methamphetamin zu weniger Missbrauch und Suchtproblemen als bis dato führen würde, halte ich für gut möglich, wäre aber noch zu klären. Bei Heroin wird es wohl Sinn machen, den Verkauf nur auf Rezept zu erlauben, wenngleich mit deutlich geringeren Hürden als heute.

Fundstücke

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Wir hoffen ihr konntet die freien Tage gut nutzen. Wie man das machen kann, seht ihr auf dem eingesendeten Bild eines Anhängers der BSG Chemie Leipzig.

bsg

Schlechte Nachrichten kommen dagegen mal wieder aus Bremen. Erst scheiterte die Forderung nach einem Modellprojekt zur legalen Abgabe von Cannabis und einer Straffeiheit bis 15 Gramm.
Link radiobremen.de
Dann erreichte uns die Nachricht von erneuten Hausdurchsuchungen bei KundInnen Bremer Growshops. Im Sommer berichteten wir -> Repressionen.

Habt ihr euch schon die Kino-Spots des Deutschen Hanfverbandes angeschaut? Der Inhalt sehr populistisch, die Storys platt und Klischee beladen, jedoch verfehlen sie ihre Wirkung keineswegs. Den WSClern unter uns, die in letzter Zeit ein Kino besuchten, berichten von einer positiven Resonanz auf die insgesamt drei Spots. Weiter so!
Kino-Spot „Legalisierung“
Kino-Spot „Entkriminalisierung“
Kino-Spot „Medizin“

Die Gurke des Jahres war für uns die Knockout Beer BONG aus Kanada. Beim anschauen dieses Videos wird uns einfach nur schlecht. Uargh

Die Kategorie In den Straßen wächst weiter und zieht (inter-)national seine Kreise. Wir freuen uns immer über Einsendungen von gesichteten Stickern!

Cannabis-Hyperemesis-Syndrom

cannabismedikamente
Cannabis wird verstärkt in der Schmerztherapie ärztlich verschrieben. Es soll Patient_innen helfen bei Übelkeit und Erbrechen, fehlendem Appetit und Abmagerung bei HIV/Aids, bei chronischen, vor allem neuropathischen Schmerzen sowie Spastik bei multipler Sklerose und Querschnittserkrankungen. Auch zur Muskelentspannung und zur Linderungen der Symptome bei Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) und dem Tourette-Syndrom kann es erfolgreich eingesetzt werden.

An eine ärztliche Genehmigung für legale Cannabis-haltige Produkte aus der Apotheke zu kommen, gestaltet sich als sehr aufwendig und schwierig. Auch ist die medizinische Forschung durch die anhaltende Verbotspolitik noch nicht so weit fortgeschritten um wissenschaftliche Ergebnisse liefern zu können.

Jetzt beunruhigt eine neue Meldung vor allem langjährige Dauerkonsument_innen. Das Cannabis-Hyperemesis-Syndrom (CHS) kann bei stark anhaltenden Konsum „zu körperlichen Krisen mit massivem Erbrechen und epigastrischen Schmerzen führen, die zwei bis vier Tage anhalten“. Die Betroffenen berichten vom zyklischen häufigen Erbrechen verbundenen mit starken Magenkrämpfen. Im Vice-Magazin wird auch berichtet, dass Patient_innen das Bedürfnis verspüren bei auftretenden Symptomen äußerst heiß zu duschen oder zu baden. Mit herkömmlichen medizinischen Test lässt sich nichts diagnostizieren, doch mit einem Stopp des Konsums sollen sich auch die Symptome beseitigen lassen.

Gerade weil Cannabis gegen Magenschemrzen und für die Anregung des Appetits genutzt wird, muss die medizinische Wirkung und deren Nebenwirkung weiter untersucht werden können. Die Forschung kommt durch die herrschenden juristischen Verbote und Blockaden nicht weiter. Wenn ihr mehr über den Stand der Forschung wissen möchtet, sei euch die Internetseite der International Association for Cannabinoid Medicines empfholen.

Empfehlung: Unsere Straße

Du bist für uns gestorben, Genosse Hüttig! Wir werden dich rächen!“ ruft eine Frau mit gellender Stimme aus einem Fenster. Auf einmal sind wir alle nicht mehr einzeln hier. Auf einmal sind wir alle ein Körper, ein Mund. Hundert stimmig schreit es in der engen Straße: „Rache! Rache! Rot Front!

„Geschrieben im Herzen des faschistischen Deutschlands“ lautet der Untertitel des Buches „Unsere Straße“ von Jan Petersen. Es ist der einzige antifaschistische Roman, entstanden und veröffentlicht in den Jahren des Nationalsozialismus.

Die Handlung setzt wenige Tage vor dem Machtantritt der Nationalsozialisten im chaotischen Berlin ein. Die damaligen Ereignisse werden im Stile eines Tagebuchs aus Sicht der kommunistischen und antifaschistischen Widerstandskämpfern erzählt. Ort der Handlung ist hauptsächlich die Wallstraße (heute Zillestraße), eine Arbeiterstraße in Berlin-Charlottenburg.

Das für jede Antifaschistin und jeden Antifaschisten außerordentlich lesenswerte und zu empfehlende Buch ist derzeit durch keinen Verlag aufgelegt, lässt sich aber in Antiquariaten und Internetbuchhandlungen bestellen. Eine Auseinandersetzung mit diesem Buch aus dem Widerstand ist uneingeschränkt zu empfehlen.

AIB

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Wieder da

Hallo Freunde und Genoss_innen!
Wir waren, was das Schreiben von neuen Beiträgen angeht, seid dem Start der Page, blumig gesagt, äußerst inaktiv. Das liegt nicht an den fehlenden Themen, gewiss nicht. Vielmehr überwiegte das WSC gegenüber dem aktiveren AFA. Wir bitten um Verständnis und möchten euch in nächster Zeit ein bisschen mehr Blog-Content liefern.
Feel The Love!

PS: Wenn ihr die AFA-WSC Sticker irgendwo sichtet und sie dokumentierungswürdig haltet, schickt uns doch bitte eine Mail an afa.wsc ät riseup.net. Wir sind gespannt auf eure Einsendungen!

Und es war Sommer…

Hier war mal wieder länger nichts los. Schuld war (ist) der Sommer. Doch so langsam kehrt die Redaktion gestärkt und vor allem ausgeruht zurück vor den Computer.
Einige Eindrücke haben wir mitgebracht. Ihr findet diese in der Rubrik In den Straßen.
In den nächsten Tagen (Wochen) könnten dort neue Bilder erscheinen. Es lohnt sich also immer mal wieder vorbeizuschauen. Einige Meldungen haben wir für euch zur Übersicht bereitgestellt.

Repressionen gegen Udopea und Kund_innen
Weiteres zu den Durchsuchungen in den Grow- und Headshops TAZ
Mittlerweile hat das Ladengeschäft von Udopea am Sielwall-Eck wieder geöffnet.
Ein Artikel über eine großangelegte Razzia bei Kund_innen im Weser-Kurier.
Im Forum von Grower.ch findet ihr noch einige Diskussionen und Stellungnahmen der Betreiber_innen von „growfix“ und „Udopea“.
Die Polizei und Staatsnwaltschaft Bremen dürfte damit hoffentlich ihr Jahres-Pensum erreicht haben und für die nächsten Jahre wieder Ruhe geben.

Cannabis anbauen auf Rezept
Laut einem Urteil des Verwaltungsgerichts Köln dürfen künftig Schwerkranke ihr eigenes Cannabis anbauen. Grund zum jubeln für einen generellen gelockerten Umgang mit Cannabis im therapeutischen Bereich besteht dennoch nicht. Wer kann es sich auch schon leisten 15€ für einen Gramm „Apotheken-Gras“ auszugeben? Ob die Krankenkassen hier einspringen, ist noch nicht geklärt und gilt als unwarscheinlich.
Ein Bericht bei Spiegel-Online.

Hanfparade 2014
Auch in diesem Jahr findet eine bundesweite Hanfparade in Berlin statt. Das Motto für die bereits 18te Parade lautet Grünes Licht für die Legalisierung. Nach den Lockerungen und Legalisierungen u.a in den USA, Tschechien, Österreich und Uruguay sehen deutsche Kiffer_innen die Zeichen der Zeit für eine Reformierung und Freigabe von Hanf. Die weiteren Forderungen und Hintergrundinformationen findet ihr unter Hanfparade.de

Montag Weghaschen!
usp
FCSP-SGE 2011

Repressionen

donuts
Am 17. und 18. Juni durchsuchte die Polizei zwei „Grow- und Headshops“ in Bremen. Dabei wurden zahlreiche Datenträger und Akten mit Kundendaten sichergestellt und kopiert. Auch die Privatwohnungen von MitarbeiterInnen wurden durchsucht. Vorgeworfen wird ihnen Beihilfe zu Straftaten. Kurz darauf durchsuchte die Polizei bundesweit 66 Objekte, Schwerpunkt Hannover mit 42 Objekten. Sie suchten nach so genannten „Indoor-Plantagen“, mit denen Cannabis angebaut werden kann und den dazugehörigen Vertriebswegen. Ob den Behörden mit insgesamt 15 entdeckten „Plantagen“ ein größerer Schlag gelungen sei, mag zu bezweifeln sein. Das immer wieder „Indoor-Plantagen“ entdeckt werden, ist an sich nichts neues, das kommt häufiger vor. Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn. Neu ist etwas anderes, nämlich wie das Huhn zum Korn finden wollte.

Die Zusammenhänge
growfix
Wie Ende Mai bekannt wurde, ermittelte die Polizei gegen acht KundInnen des Bremer Fachhandelsgeschäft „growfix“. Auf dessen Homepage kann man Töpfe, Beleuchtungsanlagen, Dünger und alles weitere rund ums anbauen für zu Hause erwerben. Alles legale Dinge versteht sich. In den Fokus gerückt sind diese Personen, da die Behörden auf einen ehemaligen „growfix“- Mitarbeiter wegen „illegalen Aktivitäten“ aufmerksam wurden und im Zuge der Ermittlungen auch seinen Computer durchforsteten. Der Mitarbeiter stand mit den ehemaligen Kunden in Kontakt. Was sie nach Abwicklung des Kaufgeschäfts zu bereden hatten ist nicht bekannt. Die weitere Verwendung der von der Polizei gefundenen Kontaktdaten und die daraus resultierenden Hausdurchsuchungen auf Grund von Einkäufen bei „growfix“, „sind eindeutig rechtswidrig“, so die BetreiberInnen des Shops. Ein Anwalt sei bereits eingeschaltet um dies auch feststellen zu lassen.

Udopea
Ähnliches bei „Udopea“ in Bremen. Hier war der Auslöser der Durchsuchungen ein ehemaliger Kunde des Geschäftes im Bremer Viertel. Der Zeuge, gegen den wegen des Anbaus von Cannabis in nicht geringen Mengen ermittelt wird, hat die Betreiber schwer belastet. Sie sollen ihn „fachspezifisch“ beraten haben und ihm einen ungewöhnlichen Kredit angeboten. Er könne diesen mit seinem späteren Ertrag an Cannabis zurückzahlen. „Völlig abwegig“, wie die Inhaber von „Udopea“ in einer Stellungnahme feststellen, da die „Beratung auf unsere Produkte und deren Funktionsumfang beschränkt“ ist. Im Zuge der Ermittlungen wurden auch drei Privaträume von Mitarbeitern durchsucht.

Hannover und bundesweit
Für die weiteren bundesweiten Durchsuchungen war der Ausgangspunkt die Ermittlungen gegen zwei „Growshops“ aus Hannover. Die MitarbeiterInnen stehen im Verdacht der „Beihilfe zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge“. Dafür sollen die Beschuldigten „technisches Equitment und Material für die Aufzucht von Marihuana und für Indoorplantagen“ verkauft haben. Und auch hier sollen die MitarbeiterInnen zu „fachspezifisch“ beraten haben und sogar „Hilfestellung“ geleistet haben. Hinzu kommt das die Staatsanwaltschaft den beiden Shops durch ihr Online-Angebot und Ladengeschäfte eine „bundesweit herausragende Stellung“ attestiert wird. Ein Angestellter gibt der HAZ zu den Vorwürfen Auskunft: „Das ist aber vollkommener Quatsch. Wir wissen ganz genau, dass wir das nicht dürfen und haben auch die klare Anweisung der Geschäftsführung das nicht zu tun.“ Der andere betroffene Shop sicherte sich sogar schriftlich bei seinen KundInnen ab. Diesen wird ein Dokument vorgelegt, welches sie unterzeichnen müssen. Darin heißt es u.a. „Die hier verkauften Produkte sind ausschließlich zur Kultivierung von legalen Pflanzen gedacht, sprich Tomaten, Salat, Chilis und vieles weitere.“
Die bei den Durchsuchungen sichergestellten KundInnendaten, dienten den Behörden dann später als Grundlage für ihre Ermittlungen mit folgenden Durchsuchungen.

Großer Schlag gegen „Kiffer-Szene“?
Die Ausbeute dieser groß angelegten Aktion war gering, doch das Signal dürfte seine Wirkung nicht verfehlen. Die steigenden Zahlen an „Indoor-Plantagen“ bereiten den Behörden Sorgen. Technisch hochwertige Systeme und Anlagen ermöglicht es vielen KonsumentInnen privat eine kleine Plantage zu betreiben. Auch lassen diese sich leicht vor neugierigen Blicken schützen. Hochgenommen werden diese Plantagen meist nur bei eigener Unachtsamkeit was Geruch und Licht angeht oder aber sie werden verpfiffen. Die Behörden sind jetzt einen Schritt weiter gegangen und rücken gegen Händlern von Zubehör auf die Pelle. Mit dem schwammigen Vorwurf der „falschen Beratung“ konnten sie an einen großen Satz an KundInnendaten kommen. Was sie daraus machen ist unklar. Sie können darauf hoffen, dass bereits von den Durchsuchungen Betroffene ein umfangreiches Geständnis ablegen werden und so weitere Personen belasten können. Doch die Behörden müssen sich beeilen, denn, so liest man in einschlägigen Foren, es haben viele KundInnen der betroffenen Shops bereits angefangen gründlich aufzuräumen. Vorsicht ist besser als Nachsicht. Und auch die rechtliche Grundlage für alle diese Aktion wirkt mehr als dünn. Doch bis die Rechtsmäßigkeit festgestellt oder angezweifelt wird, bleibt den Ermittlungsbehörden noch ein wenig Zeit.
Wie es jetzt für die betroffenen Händler weitergeht und ob sie rechtliche Schritte einlegen werden wird sich zeigen. Finanziell geschadet haben dürfte ihnen die Aktion sicherlich.

Weiterführende Links, woher auch einige Zitate stammen:
HAZ
Weser-Kurier
Hanfverband zu growfix
Sellungnahme Udopea
Grüne Hilfe zu den Hausdurchsuchungen
Hanfverband zu den Razzien

Welch‘ ein Otto…

Anfang Mai gastierte der Rapper Samy Deluxe im Bremer „Schlachthof“ und präsentierte sein neues Album „Männlich“. Vor gut gelaunter weißer Mittelschicht rockte er die ausverkaufte Halle. So weit, so schlecht.

Um die 2000er Jahre noch performte Sammy zusammen mit den „Brothers Keepers“ auf zahlreichen Antifakonzerten und berichtete dabei über das, was People of colour in Deutschland erwartet. Nur ein paar Jahre später, zur Fußball Weltmeisterschaft 2006, tauschte er seine „grüne Brille“ gegen eine Schwarz-Rot-Goldene ein und fand „Deutschland schon ganz in Ordnung“. Er stellte in seinem Song „Dis wo ich herkomm“ fest, „dass die Vergangenheit hier nicht einfach ist“. Kaum war die Weltmeisterschaft wieder vorbei, „mussten wir uns wieder schämen, denn es heißt, wir haben beide Weltkriege gestartet.“ Passend zur „Du bist Deutschland“ Kampagne lieferte er quasi den Soundtrack und warb bei jungen Menschen um mehr Nationalstolz.

Im Bremer Viertel gab er vor dem Auftritt im Schlachthof einen spontanen Street-Gig vor ca. 300 meist jungen Fans. Dabei trug er eine Wollmütze mit einem an den Reichsadler angelehnte Stickerei. Darunter prangte der Name „BOY“, eine mit NS-Symbolik spielende Bekleidungsmarke. Den Sammy fanden die anwesenden Zuhörer_innen trotzdem dufte.

Solch ein Sinneswandel mit dieser Portion Nationalismus…Das tut bekanntlich nicht gut und wir müssen uns einmal kritisch fragen: Vielleicht macht kiffen auf Dauer doch blöde?

Oh BOY…
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