Repressionen

donuts
Am 17. und 18. Juni durchsuchte die Polizei zwei „Grow- und Headshops“ in Bremen. Dabei wurden zahlreiche Datenträger und Akten mit Kundendaten sichergestellt und kopiert. Auch die Privatwohnungen von MitarbeiterInnen wurden durchsucht. Vorgeworfen wird ihnen Beihilfe zu Straftaten. Kurz darauf durchsuchte die Polizei bundesweit 66 Objekte, Schwerpunkt Hannover mit 42 Objekten. Sie suchten nach so genannten „Indoor-Plantagen“, mit denen Cannabis angebaut werden kann und den dazugehörigen Vertriebswegen. Ob den Behörden mit insgesamt 15 entdeckten „Plantagen“ ein größerer Schlag gelungen sei, mag zu bezweifeln sein. Das immer wieder „Indoor-Plantagen“ entdeckt werden, ist an sich nichts neues, das kommt häufiger vor. Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn. Neu ist etwas anderes, nämlich wie das Huhn zum Korn finden wollte.

Die Zusammenhänge
growfix
Wie Ende Mai bekannt wurde, ermittelte die Polizei gegen acht KundInnen des Bremer Fachhandelsgeschäft „growfix“. Auf dessen Homepage kann man Töpfe, Beleuchtungsanlagen, Dünger und alles weitere rund ums anbauen für zu Hause erwerben. Alles legale Dinge versteht sich. In den Fokus gerückt sind diese Personen, da die Behörden auf einen ehemaligen „growfix“- Mitarbeiter wegen „illegalen Aktivitäten“ aufmerksam wurden und im Zuge der Ermittlungen auch seinen Computer durchforsteten. Der Mitarbeiter stand mit den ehemaligen Kunden in Kontakt. Was sie nach Abwicklung des Kaufgeschäfts zu bereden hatten ist nicht bekannt. Die weitere Verwendung der von der Polizei gefundenen Kontaktdaten und die daraus resultierenden Hausdurchsuchungen auf Grund von Einkäufen bei „growfix“, „sind eindeutig rechtswidrig“, so die BetreiberInnen des Shops. Ein Anwalt sei bereits eingeschaltet um dies auch feststellen zu lassen.

Udopea
Ähnliches bei „Udopea“ in Bremen. Hier war der Auslöser der Durchsuchungen ein ehemaliger Kunde des Geschäftes im Bremer Viertel. Der Zeuge, gegen den wegen des Anbaus von Cannabis in nicht geringen Mengen ermittelt wird, hat die Betreiber schwer belastet. Sie sollen ihn „fachspezifisch“ beraten haben und ihm einen ungewöhnlichen Kredit angeboten. Er könne diesen mit seinem späteren Ertrag an Cannabis zurückzahlen. „Völlig abwegig“, wie die Inhaber von „Udopea“ in einer Stellungnahme feststellen, da die „Beratung auf unsere Produkte und deren Funktionsumfang beschränkt“ ist. Im Zuge der Ermittlungen wurden auch drei Privaträume von Mitarbeitern durchsucht.

Hannover und bundesweit
Für die weiteren bundesweiten Durchsuchungen war der Ausgangspunkt die Ermittlungen gegen zwei „Growshops“ aus Hannover. Die MitarbeiterInnen stehen im Verdacht der „Beihilfe zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge“. Dafür sollen die Beschuldigten „technisches Equitment und Material für die Aufzucht von Marihuana und für Indoorplantagen“ verkauft haben. Und auch hier sollen die MitarbeiterInnen zu „fachspezifisch“ beraten haben und sogar „Hilfestellung“ geleistet haben. Hinzu kommt das die Staatsanwaltschaft den beiden Shops durch ihr Online-Angebot und Ladengeschäfte eine „bundesweit herausragende Stellung“ attestiert wird. Ein Angestellter gibt der HAZ zu den Vorwürfen Auskunft: „Das ist aber vollkommener Quatsch. Wir wissen ganz genau, dass wir das nicht dürfen und haben auch die klare Anweisung der Geschäftsführung das nicht zu tun.“ Der andere betroffene Shop sicherte sich sogar schriftlich bei seinen KundInnen ab. Diesen wird ein Dokument vorgelegt, welches sie unterzeichnen müssen. Darin heißt es u.a. „Die hier verkauften Produkte sind ausschließlich zur Kultivierung von legalen Pflanzen gedacht, sprich Tomaten, Salat, Chilis und vieles weitere.“
Die bei den Durchsuchungen sichergestellten KundInnendaten, dienten den Behörden dann später als Grundlage für ihre Ermittlungen mit folgenden Durchsuchungen.

Großer Schlag gegen „Kiffer-Szene“?
Die Ausbeute dieser groß angelegten Aktion war gering, doch das Signal dürfte seine Wirkung nicht verfehlen. Die steigenden Zahlen an „Indoor-Plantagen“ bereiten den Behörden Sorgen. Technisch hochwertige Systeme und Anlagen ermöglicht es vielen KonsumentInnen privat eine kleine Plantage zu betreiben. Auch lassen diese sich leicht vor neugierigen Blicken schützen. Hochgenommen werden diese Plantagen meist nur bei eigener Unachtsamkeit was Geruch und Licht angeht oder aber sie werden verpfiffen. Die Behörden sind jetzt einen Schritt weiter gegangen und rücken gegen Händlern von Zubehör auf die Pelle. Mit dem schwammigen Vorwurf der „falschen Beratung“ konnten sie an einen großen Satz an KundInnendaten kommen. Was sie daraus machen ist unklar. Sie können darauf hoffen, dass bereits von den Durchsuchungen Betroffene ein umfangreiches Geständnis ablegen werden und so weitere Personen belasten können. Doch die Behörden müssen sich beeilen, denn, so liest man in einschlägigen Foren, es haben viele KundInnen der betroffenen Shops bereits angefangen gründlich aufzuräumen. Vorsicht ist besser als Nachsicht. Und auch die rechtliche Grundlage für alle diese Aktion wirkt mehr als dünn. Doch bis die Rechtsmäßigkeit festgestellt oder angezweifelt wird, bleibt den Ermittlungsbehörden noch ein wenig Zeit.
Wie es jetzt für die betroffenen Händler weitergeht und ob sie rechtliche Schritte einlegen werden wird sich zeigen. Finanziell geschadet haben dürfte ihnen die Aktion sicherlich.

Weiterführende Links, woher auch einige Zitate stammen:
HAZ
Weser-Kurier
Hanfverband zu growfix
Sellungnahme Udopea
Grüne Hilfe zu den Hausdurchsuchungen
Hanfverband zu den Razzien

One comment

  1. Pingback: Grow- und Headshops in bremen durchsucht « end of road